Lehrstuhl für Medizintechnik

Der Lehrstuhl für Medizintechnik der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen wurde 2005 als Teil der interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen (HIA) gegründet. Herr Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Radermacher ist Direktor des Lehrstuhls für Medizintechnik und in dieser Funktion Mitglied des HIA-Direktoriums.

Das in Forschung und Lehre aktive Team des Lehrstuhls für Medizintechnik besteht aus ca. 15-20 WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Fachrichtungen, permanent mindestens 30-40 studierenden MitarbeiterInnen, 3 technisch-administrativen MitarbeiterInnen und permanent 2-4 Auszubildenden.

Ingenieurwissenschaft und Innovation für eine bessere Gesundheitsversorgung

Ziel des Lehrstuhls für Medizintechnik (mediTEC) der RWTH Aachen ist eine aktive Verzahnung von interdisziplinärer Grundlagenforschung und der anwendungsorientierten ingenieurwissenschaftlichen Forschung und Entwicklung innovativer Lösungen für eine bessere Gesundheitsversorgung. Neben der internationalen Publikation und praktischen Umsetzung wissenschaftlicher Arbeiten ist uns als Lehrstuhl der RWTH Aachen in diesem Zusammenhang auch die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung von Studierenden unterschiedlicher Fachgebiete ein zentrales Anliegen.

Kreativität, ingenieurwissenschaftliche Professionalität und interdisziplinäre Zusammenarbeit stellen wesentliche Säulen der universitären medizintechnischen Forschung dar. Hierbei geht es nicht nur um Ideen, die zu einem industriell profitablen Produkt umgesetzt werden können. Zunächst stehen die medizinische Problemstellung sowie der Nachweis des klinischen Nutzens und die technische Umsetzbarkeit eines Lösungsansatzes in der medizinischen Praxis im Vordergrund. Die Zielsetzung einer optimierten Gesundheitsversorgung mittels innovativer Medizintechnik erfordert jedoch darüber hinaus auch die Berücksichtigung der sozioökonomischen Randbedingungen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen einer industriellen und klinischen Umsetzung.

Eine ingenieurwissenschaftliche Methodik kann in der interdisziplinären Zusammenarbeit jedoch auch z.B. bei der Analyse und Modellierung klinischer, physiologischer oder pathologischer Abläufe und (z.B. biomechanischer) Zusammenhänge hilfreich sein, um diese zu verstehen und z.B. durch theoretische oder experimentelle Untersuchungen zum Erkenntnisgewinn in der Medizin beizutragen. Neben technologie- und anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten stellt daher die interdisziplinäre Grundlagenforschung eine wesentliche Zielsetzung dar. Neben der praktischen Umsetzung in Industrie und Klinik sind vor diesem Hintergrund Publikationen unserer Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auch von wesentlicher Bedeutung.

Als komplementärer Partner von Medizin und Industrie ist unser Ziel, Problemstellungen der Gesundheitsversorgung systematisch mit ingenieurwissenschaftlichen Methoden zu analysieren und bestmögliche Lösungsansätze unter Berücksichtigung des Standes der Wissenschaft und Technik zu identifizieren bzw. zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren.

Hierbei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit unabdingbar:

  • mit klinischen Experten bei der Identifikation und Analyse klinischer Problemstellungen sowie bedarfsgerechten Entwicklung und Bewertung des klinischen Kosten-Nutzen-Verhältnisses technischer Lösungen und Methoden,
  • mit der Industrie im Rahmen der Entwicklung praktisch umsetzbarer innovativer Lösungsansätze, der Erstellung von Funktionsmustern und der effizienten Zusammenarbeit bei der Umsetzung in klinisch nutzbare Produkte. Diese kann in enger Kooperation mit etablierten industriellen Partnern oder auch in Form von Industrie-Ausgründungen (Spin-Offs) sinnvoll erfolgen.

Ziel unseres Lehrangebotes für Studierende des Maschinenbaus und anderer Fachbereiche ist es, basierend auf einer soliden allgemeinen ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung, zum einen anwendungsorientierte Einblicke in grundlegende Anforderungen und spezifische Charakteristika der Medizintechnik zu vermitteln, die den Studierenden den Start insbesondere in der medizintechnischen Forschung und Entwicklung sowie im Qualitäts- und Risikomanagement – einschließlich Usability Engineering - erleichtern soll. Grundkenntnisse zu Biomaterialien, Geräte- und Systemtechnik und deren Anwendungen sollen die umfassende theoretische und praktische Ausbildung des Bachelor- und Masterstudiums ergänzen. Durch Einblicke und problemorientierte Mitarbeit in aktuellen Forschungsprojekten und -fragestellungen sollen die Studierenden darüber hinaus sowohl interessensspezifisch Kenntnisse zu technischen und wissenschaftlichen Aspekten vertiefen, erste praktische Erfahrungen in der interdisziplinären Zusammenarbeit sammeln sowie auch Orientierungshilfen bei der Wahl ihres Berufseinstieges in der Medizintechnik erlangen können. Auch in diesem Zusammenhang ist die enge Kooperation des Lehrstuhls für Medizintechnik mit klinischen und industriellen Partnern von besonderer Bedeutung.

Im Rahmen einer ingenieurwissenschaftlichen Promotion am Lehrstuhl für Medizintechnik sollen die KandidatInnen den Nachweis der Befähigung zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit erbringen können. Dies umfasst die Fähigkeit wissenschaftliche Fragestellungen im interdisziplinären Kontext der Medizintechnik eigenständig zu identifizieren und gegenüber dem Stand der Technik systematisch abzugrenzen, Material und Methode zur Untersuchung und Beantwortung der Fragestellung systematisch zu entwickeln, zu beschreiben und umzusetzen sowie Lösungen nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu verifizieren und zu validieren. Das Qualifikationsprofil umfasst auch die Befähigung Forschungs- und Entwicklungs-Projekte erfolgreich zu beantragen, durchzuführen (einschließlich Projektmanagement mit Arbeits-, Zeit und Finanzplanung sowie der Koordination von Projektteamarbeiten, Projektberichten und -abrechnungen) und über die wissenschaftlichen Ergebnisse auf internationalen Konferenzen vor Fachpublikum sowie in Fachzeitschriften zu berichten. Die Befähigung zur Teamarbeit und Teamleitung wird lehrstuhlintern auch durch projektübergreifende Arbeitsgruppen zu unseren Forschungsschwerpunkten sowie regelmäßige Seminare und Workshops gefördert.

Durch die Möglichkeit einer begleitenden Mitarbeit in der Lehre können die KandidatInnen Erfahrungen auch in diesem für eine weitere mögliche akademische Laufbahn wichtigen Bereich sammeln. Dies umfasst die Mitarbeit bei der Planung und Durchführung von Vorlesungen, Übungen, Praktika und Seminaren sowie die Mitarbeit bei der Betreuung von studentischen Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten.

Der Lehrstuhl für Medizintechnik bietet im Kontext der RWTH Aachen, aufgrund langjähriger wissenschaftlicher Erfahrungen, vielfältiger Kontakte und nationalen und internationalen Kooperationen mit Partnern aus klinischer Praxis, Forschung und Industrie, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche ingenieurwissenschaftliche Promotion.

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